{"id":54,"date":"2012-03-30T22:25:28","date_gmt":"2012-03-30T21:25:28","guid":{"rendered":"http:\/\/suerken.net\/?p=54"},"modified":"2020-04-19T16:56:55","modified_gmt":"2020-04-19T15:56:55","slug":"beethoven-symphonien-nr-1-9-christian-thielemann-und-die-wiener-philharmoniker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suerken.net\/?p=54","title":{"rendered":"Beethoven: Symphonien Nr. 1-9 Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial;\">Eigentlich hatten wir uns damit abgefunden. Vorbei die Zeiten, in denen eine Gesamteinspielung der Sinfonien Beethovens die andere jagt. Vieles wurde da musikalisch gesagt. Seltener etwas bedeutsames. W\u00e4hrend Karajan dreimal dieses Mammutwerk<span style=\"mso-spacerun: yes;\">&nbsp; <\/span>einspielte (alle h\u00f6renswert, ich bevorzuge die mittlere mit den Berliner Philharmonikern f\u00fcr DGG), kommen heute selbst namhafte Dirigenten nur auf eine Einspielung.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_75\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/suerken.net\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/08869792717221.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-75\" class=\"size-thumbnail wp-image-75\" title=\"0886979271722\" alt=\"Cover Thielemann Beethoven Symphonies bei Sony\" src=\"http:\/\/suerken.net\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/08869792717221-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\"><\/a><p id=\"caption-attachment-75\" class=\"wp-caption-text\">Alle Neune: Thielemann Beethoven Symphonies bei Sony<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wahrscheinlich ist das auch gut so. Denn Perspektivwechsel waren selten und die Unterschiede lediglich handwerklicher Natur oder auch dem (Un-)Verm\u00f6gen der Orchester geschuldet. Zuletzt hat mich die Sichtweise Gardinners begeistert. Die Form der Entschlackung und der Versuch einer historisch authentischen Interpretation schlug ein neues Kapitel auf. Was sollte da noch kommen?<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Und jetzt? Eine eher historisierende Fassung im konventionellen Sound soll begeistern?<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Ja. Mit guten Gr\u00fcnden.<span>&nbsp; <\/span>Die Qualit\u00e4t der St\u00fccke muss hier sicher nicht weiter hervorgehoben werden. Einzigartig, \u00fcberragend, genial. Die scheinbaren Unterschiede in der Wertigkeit, die Generationen von Musikwissenschaftler als echte Kenner ausweisen sollte, halte ich hier f\u00fcr unbedeutend.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Dann das Orchester. Die \u201eWiener Tradition\u201c, der besondere Klang, die Qualit\u00e4t. An die hatten wir uns so gew\u00f6hnt, dass man sich in manchem Konzert oder beim h\u00f6ren mancher Aufnahme fragte, ob die Geschichte und Vergangenheit nicht glorreicher waren, als die Gegenwart.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn es eine Beweises bedurfte, dass ein Dirigent entscheidend f\u00fcr das Ergebnis ist: Hier ist er.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Ja, er h\u00e4lt sich nicht an die z.T. kryptischen Tempoangaben Beethovens. Ja, er l\u00e4sst sich vom Moment leiten. Ja, er wirkt wie ein Traditionalist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Und: Ja, das Ergebnis ist vor allem eines: unerh\u00f6rt! Was da aus den Noten und dem Orchester herausgeholt wird \u2013da bleibt einem die Spucke weg, vor Begeisterung. Die Einzelanalyse \u00fcberlasse ich gerne den Profis der schreibenden Zunft. Ich m\u00f6chte mich auf einen Aspekt beschr\u00e4nken: den Klang.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Orchesterklang ist im besonderen Ma\u00dfe abh\u00e4ngig von Raum und Zeit.<span>&nbsp; <\/span>T\u00f6ne klingen im Raum und ben\u00f6tigen Zeit f\u00fcr ihre Entwicklung. Eine Kunst, die fast vergessen ist. Meist erleben wir Dirigenten die ihr Konzept \u2013 ihren Stiefel- durchziehen. Diese Konzepte sind meist beliebig und auch bei den wenigen, die es zu einer Klang-Handschrift gebracht haben, erliegen h\u00e4ufig der Versuchung diese nur marottenhaft einzusetzen. Nicht so Thielemann. Es kommt der Verdacht auf, dass er permanent auf der Suche ist. Nicht weil er nichts hat sondern eindeutig, weil er auf h\u00f6chstem Niveau noch immer auf der Suche nach dem Besseren ist. Immer wieder.<span>&nbsp; <\/span>Bei der profunden Erfahrung und der au\u00dfergew\u00f6hnlichen F\u00e4higkeit dieses Dirigenten stehen da H\u00f6henfl\u00fcge des Musikerlebens im Raum, mit und durch Wiener Philharmoniker, wie wir sie schon lange nicht mehr geh\u00f6rt haben. Superlative sind angemessen und der Platz in den Bestenlisten sicher.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Produktion, die ein Mitschnitt von jeweils 2 Konzertaufnahmen sind, ist auf DVD als Video und Audio CD (Mit Bonus DVD) erh\u00e4ltlich. Beide sind empfehlenswert. Mein pers\u00f6nlicher Favorit sind die CD\u00b4s.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Keine Kritik? Doch, nat\u00fcrlich. Aber was interessiert es bei 3 hervorragenden instrumentalen S\u00e4tzen der 9. Sinfonie, wenn die vokalen Beitr\u00e4ge nicht auf dem selben Niveau liegen. Keiner der Solisten ist \u00fcberdurchschnittlich. Sicher, Beethovens Stimmf\u00fchrung ist nicht einfach und geradezu heikel. Wenige k\u00f6nnen das. Im Ensemble wirken die Solisten keinesfalls ausgewogen. (Welcher Agent hat sich da wohl verewigt oder welche S\u00e4nger waren eingeplant und haben da abgesagt?) Hier wurde der Einzug in den CD-Olymp klar verfehlt. Auch der Chor liefert stimmlich und klanglich nur solides ab. Schade.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Aber was ist das nach 8 Sinfonien und 3 S\u00e4tzen die in jeden Haushalt geh\u00f6ren m\u00fcssten!<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span style=\"font-family: Arial;\">Die Produktion wurde eingerahmt von Gespr\u00e4chen, die Joachim Kaiser mit Christian Thielemann \u00fcber die Sinfonien und deren Rezeption f\u00fchrten. Ein wahrlich geistreiches Zusammentreffen, dass durch die Einblendung von Vergleichseinspielungen einen einzigartigen Abriss der Beethoveneinspielungen den letzten 80 Jahre bietet. Furtw\u00e4ngler, Bernstein, Karajan, Norrington(Warum nur?) einige mehr. Und immer wieder Thielemann. Gott sei Dank!<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\">Besetzung:<\/span><\/strong><span style=\"font-size: 10pt; font-family: Arial;\"> Annette Dasch, Piotr Beczala, Mihoko Fujimura, Georg Zeppenfeld, Wiener Singverein, Wiener Philhamoniker Christian Thielemann <span>&nbsp;<\/span><strong>Label:<\/strong> Sony DDD\/LA, 2008-1<\/span><\/p>\n<p>Bestellbar bei JPC:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/Ludwig-van-Beethoven-1770-1827-Symphonien-Nr-1-9\/hnum\/4901534\">Ludwig van Beethoven (1770-1827): Symphonien Nr. 1-9 (6 CDs)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatten wir uns damit abgefunden. 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